Angelika Stepken

aus dem Katalogtext zu CHANGEANT 1994

Alice Bahra realisierte während des Projekt-Zeitraums den Sprung von der

keramischen Praxis zur Bildhauerei,  vom gedrehten Gefäß zum gebauten Körper, 

von der Gebrauchskunst zur freien Plastik.

Alice Bahra ist Keramikerin. Viele Jahre arbeitete sie mit Ton, einem

natürlichen Material zur Herstellung von Gefäßen. Jeder Gegenstand aus Ton

wird als Einzelstück gefertigt. Die Stücke wiederholen sich so je nach

Auflage oder Nachfrage. Im Laufe der kunsthandwerklichen Arbeit begann

Alice Bahra irgendwann damit, ihre Gefäße zu zerschneiden,

zu schachteln, zu türmen und zu bauen.

Die Kannen, Vasen, Tassen, Becher wurden körperlicher, ihre Substanz

zum plastischen Material, sie nahmen Raum ein, behaupteten sich im Raum.

Die Körper fingen an, sich auf der Fläche zu bewegen.

Die Geschirrteile auf einem Tablett wirkten nun wie Figuren auf einem

Spielfeld oder wie Architektur auf einem Grundriss. Mit der Entscheidung,

vom farbigen Ton überzugreifen auf weißes Porzellan, das nicht mehr

modelliert, sondern gegossen wird, erschloß sich für Alice Bahra

die Produktion mit den Mitteln der Reproduktion. Das Modell wurde zum Modul.

Die freie bildhauerische Arbeit trat neben die gewohnte Praxis.