Angelika Stepken

aus dem Katalogtext zu CHANGEANT 1994

452 Teile umfaßt die „Umgebung“, die Alice Bahra im Waschhaus installierte.

452 Bodenskulpturen mit einer fast quadratischen Grundfläche, die in ordentlicher Reihung

eine vor Ort gegebene schmale, lange Betonplatte abdecken.

Beim Eintritt weist die Ordnung der Teile wie eine organische Strömung in eine Richtung.

Die abgeschrägten Oberflächen der Stücke wirken wie die Modulation

einer einzigen großen Fläche.

Vom anderen Ende des Raumes her gesehen schaut man nicht auf „Dächer“,

sondern auf steile Wände, auf die rythmischen Widerstände der Vertikalen.

Zwischen den einzelnen „Körpern“, die aus weißem Biskuitporzellan

mit einer rauhen, stumpfen, nicht reflektierenden Oberfläche gegossen sind,

spielen Licht und Schatten. Beim Anblick dieser „Umgebung“ ist ihr systematischer

Aufbau kaum zu erschließen. Alle Teile sehen sich ähnlich und

weisen doch Unterschiede voneinander auf, sind höher oder niedriger, ihre Schrägen

verlaufen anders, die Seitenwände stehen präzise im rechten Winkel oder kippen leicht.

Die scheinbare Vielfalt basiert auf einem einfachen Schlüssel.

Alice Bahra reproduzierte acht Grundformen, die zwar graduell voneinander abweichen,

aber nicht einer mathematischen Regel folgen.

452 Haltungen: was wiederholt sich was unterscheidet sich?